Immer Richtung Süden

Wir schicken euch schöne Grüße aus Montenegro! Die letzten Wochen waren landschaftlich sehr eindrucksvoll und abwechslungsreich. Von Istrien aus sind wir nach zwei herrlichen Radeltagen über die Inseln Cres und Losinj (sahen auf Googlemaps viel flacher aus als sie waren...) mit der Fähre über mehrere kleine, zum Teil "auto- und fahrradfreie" Inseln nach Zadar geschippert und dann gen Süden entlang der Küste nach Split gefahren. Der südländische Überholstil wurde uns immer vertrauter: entweder kurz hinter einem zur Warnung laut hupen, sodass man vor Schreck fast vom Rad fällt, oder beim Überholen Gas geben nach dem Motto Augen zu und durch bzw. frei nach dem Kölschen Grundgesetz "et hätt noch immer jot jejange". Einzig die Autos mit polnischen Kennzeichen warten regelmäßig mit einer Engelsgeduld auch am Berg hinter uns, bis ganz sicher keiner entgegen kommt, um dann mit einem Mindestabstand von 2 Metern zu überholen. Die nächste Reise mit dem Fahrrad geht ganz klar nach Polen!

In Split haben wir einen Pausentag eingelegt, uns die tolle Altstadt angeschaut und verzweifelt versucht, einen Fahrradladen zu finden, der Christinas Lichtverkabelung reparieren kann, aber leider kennt man in Kroatien nur batteriebetriebene Fahrradlichter. Da es hier mittlerweile schon um 7 Uhr dunkel ist und wir dann häufiger noch unterwegs sind, mussten wir die Elektronik notgedrungen selber versuchen zu reparieren. So ganz genau haben wir es noch nicht verstanden, aber bisher hält unsere Freestyle-Technik ganz gut. Ärgerlich war auch der Tag, an dem kurz hintereinander Laura (wieder einmal) einen Plattfuß hatte (Laura führt 5 : 0...) und die Fahrradpumpe den Geist aufgab... Getreu dem Motto "mein Nachbar hat einen Freund, der kennt jemanden, der eine Fahrradpumpe hat..." ließ sich auch dieses Problem lösen.

Von Split aus ging es dann - erneut mit der Fähre - auf die Insel Korčula, auf der es einen ganzen Tag lang bei perfektem Fahrradwetter entlang einer top asphaltierten, kaum befahrenen Straße mit Traum-Ausblicken aufs Meer durch die Berge ging, besser ging's kaum noch. Am nächsten Tag haben uns dafür der Gegenwind mit Böen über 100 km/h und Dauerregen den letzten Nerv geraubt, so schnell kann das hier gehen. In einer der vielen erzwungenen Regen-Pausen, als wir gerade wieder in einer Bushaltestelle Schutz gesucht hatten, gesellten sich zwei weitere Reiseradler zu uns: Fatih, der mit seinem dreijährigen (!!) Sohn unterwegs war von Sarajevo nach Tirana, und zwar jeder auf seinem eigenen Rad!

Mittlerweile haben wir Montenegro durchquert, Albanien ist nur noch einen Steinwurf entfernt. Erneut hat uns Montenegro mit seiner landschaftlichen Vielfalt und seinen phänomenalen Bergpanoramen begeistert. Der Ausflug aus Cetinje in den Lovćen-Nationalpark auf über 1600 Meter war fantastisch und wir ohne Gepäck zur Abwechslung auch fast schon schnell unterwegs. Und zur Krönung haben wir an dem Tag auch noch die 2000 Kilometer - Marke geknackt. Die letzten 2 Tage sind wir entlang des Westufers des Skutarisees über einsame Bergstraßen gefahren. Die einzigen Lebewesen, die uns auf einer 15 km langen Abfahrt entgegenkamen, waren ein verdutzter Ziegenhirt mit seiner Herde und eine Schlange, die wir aus ihrem Mittagsschlaf gerissen hatten. Das Zelt haben wir hier in den Bergen gegen ein festes Dach über dem Kopf eingetauscht, und hatten gleich ein ganzes Haus für uns, das sich immer noch in seinem Ursprungszustand von 1926 befand. Aber gemütlich war's! Und die Besitzer, die nebenan wohnten, völlig perplex, dass jemand mit dem Fahrrad den Weg zu ihnen findet. Überhaupt sind wir zwei ein beliebtes Fotomotiv bei entgegenkommenden Autotouristen, vorzugsweise wenn wir (wieder einmal) verschwitzt und mit hochrotem Kopf den Berg hochkriechen. Also wenn euch eure Verwandten demnächst ihre Urlaubsfotos aus Montenegro zeigen, achtet auf den Hintergrund, das könnten wir sein! ;-)

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