Happy New Year

 

Ein frohes neues Jahr euch allen! Hoffentlich seid ihr gut ins neue Jahr gekommen. Wir haben Silvester gemeinsam mit 10 anderen Radreisenden stilvoll in Hanoi verbracht, auf Plastikhockern an der Straße gehockt und 18-Cent-Bier aus Plastikbechern getrunken. Nach unserem letzten Blogeintrag sind wir noch ein paar Tage durch Kambodscha geradelt, bevor wir am südlichsten Grenzübergang nach Vietnam eingereist sind, am Tor zum Mekong-Delta. Die nächsten Tage ging es immer über kleinste Straßen, teilweise selbst für Motorroller unpassierbar, von Autos ganz zu schweigen. Perfekte Bedingungen für's Radfahren! Im Mekong-Delta gefiel es uns so gut, dass wir fast 10 Tage lang querbeet von Nord nach Süd und von Osten nach Westen gekreuzt sind. Endlich kühlte es auch etwas ab, die Temperatur blieb meistens unter 40 Grad. Christina wurde von einer hässlichen, schwarzen Spinne gebissen, die es sich auf ihrer Fahrradtasche bequem gemacht hatte. Aber ein freundlicher Vietnamese konnte uns mit Händen und Füßen von der Harmlosigkeit der Spinne überzeugen, sodass wir einigermaßen beruhigt weiterfuhren.

Wir haben in freundlichen Homestays in kleinen Dörfern übernachtet, sind fast jeden Tag durch wunderschöne, grüne Landschaften gefahren, haben gefühlt tausend Fähren über unzählige Mekong-Arme genommen und jede Menge leckere Sachen probiert. In Vietnam gibt es unheimlich schmackhafte und frische Dinge zu essen, aber die Vietnamesen essen auch fast alles, was man sich vorstellen kann: unter anderem Hund und Katze, aber auch Schlange oder Ratte. Da wir viel in kleinen Dörfern unterwegs sind, in denen niemand Englisch spricht, greifen wir oft auf „Google Translate“ zurück, sei es um eine Unterkunft zu finden oder bei der Essenssuche. Da kommt man schonmal in die Situation, dass der einzige Essensstand weit und breit nur ein Gericht bereit hält, und zwar - laut Google Translate - „Kampfpulverkuchen“. Das hat uns in dem Moment nur bedingt weitergeholfen. Unser „Ohne-Wörter-Bilderbuch“ hatten wir leider im Hotel vergessen. Da hilft nur Probieren! In einer Stadt, die für den Verzehr oben genannter Tiere bekannt ist, war uns dabei etwas mulmig zumute. Aber es hat geschmeckt, und wir sind weiterhin fest überzeugt, dass „Kampfpulverkuchen“ ein vegetarisches Gericht ist – auch, wenn wir es seitdem nie mehr gegessen haben.

An die geballte Aufmerksamkeit, die uns in manchen Orten entgegenschlug, mussten wir uns erst gewöhnen. Wenn einen 20 Menschen entgeistert anstarren, sobald man eine Straße überquert, kommt man sich manchmal vor wie im Zoo, nur aus ungewohnter Perspektive. Gleichzeitig strahlen uns viele Menschen an und rufen uns im Vorbeifahren „Hello, welcome to my country!“ zu, so unterschiedlich sind die Reaktionen.

 

Über die Weihnachtstage haben wir uns in Ho Chi Minh City eine Wohnung gemietet, welche die Vermieterin sogar mit einem wunderschönen, blinkenden Plastikweihnachtsbaum geschmückt hatte. Vietnam hat eine sehr lebendige Kaffeekultur, in jedem Dorf und oft mitten im Nichts findet sich immer noch ein Café. Der Kaffee ist extrem stark und - dank der Massen an gesüßter Kondensmilch - zuckersüß. Auch in Ho Chi Minh City befindet sich in gefühlt jedem 3. Haus ein Café, was wir natürlich ausgiebig genutzt haben während der Weihnachtstage. So wurde dann auch das erste Souvenir, das wir uns auf der Reise gegönnt haben, ein typisch vietnamesischer Kaffeefilter!

 

Schon seit einiger Zeit war uns klar, dass wir die 2000 flachen Kilometer zwischen Süd- und Nordvietnam nicht radeln wollen. Auch wenn die Aussicht auf 40 Stunden Bahnfahrt mit Toiletten in 1A-Regionalbahn-Qualität zu viert im 2qm-Abteil verlockend war, haben wir uns kurzfristig für einen Flug nach Hanoi entschieden. Diesmal kamen auch die Fahrräder relativ unkompliziert mit und es war deutlich entspannter als der Flug nach Bangkok.

In Hanoi haben wir jede Menge andere Reiseradler getroffen, Routen ausgetauscht und die nächsten 1000 km der Reise geplant. Unser ursprünglicher Plan, durch Nordvietnam nach Laos einzureisen, lässt sich leider nicht realisieren. Zu krass sind die Anstiege und zu groß die Distanzen zwischen den einzelnen Dörfern. Mit Zelt wäre das eventuell noch möglich gewesen, aber darauf haben wir ja aufgrund der immer noch hohen Minengefahr abseits der Wege insbesondere in Laos, aber auch Kambodscha und Vietnam, bewusst verzichtet.

 

Den Norden Vietnams wollten wir uns trotzdem nicht entgehen lassen, sodass wir für ein paar Tage mit Guide und Motorrädern an der Grenze zu China unterwegs waren – und an jedem Anstieg heilfroh waren, unsere Räder in Hanoi gelassen und uns für den Motor unter den Hintern entschieden zu haben. Die Landschaft war traumhaft und es hat nur an 2 von 3 Tagen geregnet, sodass wir auch nur ab und zu im Schlamm stecken geblieben sind. Zum Glück mussten wir nicht selbst fahren, das wäre wohl nicht sehr erfolgreich geworden. Wir waren bei vietnamesischen Dorfparties dabei, haben jede Menge selbstgebrannten Schnaps probiert (in den Bergen Nordvietnams brennt fast jeder seinen eigenen Schnaps...) und bei der spontanen Karaoke-Party die Menge (ok, wir waren zu fünft...) mit "Viva Colonia" zum Tanzen gebracht.

 

In Hanoi mussten wir nach mehr als vier Wochen in Vietnam auch unser Visum verlängern. Wenn man 65 USD für einen 10 USD-Stempel zahlt, kann man sich ungefähr ausrechnen, wieviele Hände dabei geschmiert werden müssen, leider auch hier immer noch Alltag. Nach einem Abstecher zur Halongbucht geht es jetzt weiter nach Laos, aber die Zeit in Asien werden wir wohl abkürzen. Uns fehlen die einsamen und weiten Landschaften, die wir in Europa so gerne mochten. Es ist komfortabel, jeden Abend für wenig Geld eine Unterkunft zu finden und eine warme Dusche zu haben. Aber uns fehlt auch die Freiheit, abends einfach sein Zelt aufschlagen zu können und nicht auf irgendwelche (oft eher bescheidene..) Unterkünfte angewiesen zu sein. Ein nächstes Ziel haben wir schon ins Auge gefasst, aber erstmal geht es jetzt nach Laos!

 

 

Write a comment

Comments: 1
  • #1

    Uschi (Tuesday, 23 January 2018 07:31)

    Hallo Ihr Lieben, wir verfolgen ganz aufmerksam Eure tolle Reise und denken an Euch. Weiterhin viele schöne neue Eindrücke und viel Spaß. Bleibt gesund.
    Eure Uschi