Traumhafte Südinsel

Weiter ging es auf unserer Tour Richtung Süden nach Christchurch, einer Stadt, in der während der verheerenden Erdbeben 2010 und 2011 ein Großteil der Gebäude in der Innenstadt zerstört wurde und die sich immer noch im Aufbau befindet. Während unserer Zeit dort fand das erste große Event in der Innenstadt seit 8 Jahren statt, ein chinesisches Lampion-Festival. Die schönsten Strecken bisher waren oft Insider-Tipps fahrradbegeisterter Neuseeländer. In Mackenzie Country sind wir von der Hauptstraße abgebogen, um auf einer Schotterstraße (mal wieder...) über den Mackenzie Pass bis zum Lake Tekapo zu fahren. Eine wunderbare Landschaft, und an dem gesamten Tag haben uns ganze 5 Locals in ihren Autos überholt – definitiv neben der Molesworth Road ein weiteres Highlight in Neuseeland!

 

In den nächsten Tagen trieb uns der Gegen- und Seitenwind teilweise in den Wahnsinn. An einem Punkt kamen wir selbst schiebend kaum voran, da der Wind uns ständig umzuwerfen drohte. Trotzdem war es die beste Entscheidung, unsere Reise in Neuseeland fortzusetzen. Wir lieben die einsamen Landschaften, die Weite dieses Landes, die Berge und die freundlichen Menschen. Manchmal könnte es etwas wärmer sein oder ein bisschen trockener, aber alles in allem fühlen wir uns sehr wohl hier.

 

Kurz hinter "Lindis Pass" trafen wir dann auf Resal, Martin und Noah, die uns seit Wochen immer eine Nasenlänge voraus waren. Wir hatten uns für den Abend auf einem abgelegenen Zeltplatz in der Nähe verabredet. Als nachmittags plötzlich ihr Wohnmobil direkt neben unserem Pausenspot hielt, war die Überraschung natürlich umso größer! Kurzerhand wurden die Räder samt aller Taschen in das Wohnmobil verfrachtet und wir verbrachten zwei schöne Tage gemeinsam in Wanaka, wo wir mit dem Auto schon in 1 Stunde statt anderthalb Tagen ankamen. Dort erlebten wir erneut einen der berüchtigten neuseeländischen Wolkenbrüche. Anschließend schwamm unser Zelt in einer 5 cm tiefen Pfütze – zum Glück blieb in den Packtaschen ebenso wie im Innenzelt alles trocken – und wir verbrachten einen gemütlichen Tag zu fünft im Wohnmobil. Die Temperatur lag nachts knapp über 0°C, und die Schneefallgrenze ungefähr 100 Höhenmeter oberhalb unseres Zeltplatzes. 

 

Nach Wanaka ging es für alle weiter an die Westküste, für uns etwas langsamer mit den Fahrrädern, für die anderen drei etwas flotter. Die Landschaft änderte sich rasch, sobald man die neuseeländischen Alpen überquerte. Der Anblick von vielen Palmen mitten im Nadelwald war ungewöhnlich. Anschließend fuhren wir tagelang durch dichten, subtropischen Regenwald mit riesigen Farngewächsen und Wasserfällen an jeder Ecke. Und immer wieder Regen... Wäre es 30 Grad wärmer gewesen, hätten wir uns zurück in Kambodscha gewähnt. An einem Abend trafen wir Mario und Claudia, die ebenfalls mit Rädern in die andere Richtung unterwegs sind und die wir vorher bereits zweimal in Asien getroffen hatten. Wir wussten, dass wir uns irgendwo in dieser Gegend treffen mussten, aber da entlang unserer Route über hunderte Kilometer kein Handynetz existiert, war nie ganz klar wo.

 

Mittlerweile sind wir ein ganzes Stück weiter entlang der Westküste hochgeradelt, haben bei Sturzregen unfreiwillige Pausentage mitten im Nichts eingelegt, herzliche Neuseeländer getroffen, tolle Gletscher gesehen und unseren 7000. Rad-Kilometer gefeiert. Nach ein paar Tagen mit vielen Stunden im Sattel sind wir inzwischen in der Kleinstadt Murchison im „Lazy Cow Hostel“ angekommen. Bei dem Namen mussten wir hier natürlich spontan einen Pausentag einlegen! Morgen heißt es früh aufstehen für die 130 Kilometer und knapp 1100 Höhenmeter nach Nelson, von wo aus wir einen Abstecher in den Abel Tasman Nationalpark planen.

 

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