Die letzten Tage in Kiwiland

In Nelson tauschten wir unsere Räder für einige Tage gegen einen Mietwagen ein, mit dem wir Richtung Abel Tasman Nationalpark fuhren. Dort erwarteten uns wunderbare Küstenlandschaften, nahezu unberührte Strände und schöne Wanderwege. Insgesamt drei Tage waren wir mit Auto und Zelt unterwegs, campten auf schönen Plätzen am Strand, wanderten einzelne Abschnitte des Abel Tasman Coastal Walks und fuhren hoch zur Golden Bay. Am herrlichen Wharariki Strand kamen wir ganz nah heran an Robben-Babies, die dort im flachen Gewässer spielten und von uns Zweibeinern offensichtlich völlig unbeeindruckt waren.

 

Unsere Räder hatten ihre Auszeit wohlbehalten im Hostel verbracht. Gemeinsam mit Joachim, den wir in Nelson im Hostel kennengelernt hatten, fuhren wir über eine traumhafte Küstenstraße weiter nach Picton. In Picton wollten wir eigentlich eine mehrtägige Kajaktour durch die Queen Charlotte Sounds machen, dies mussten wir aufgrund des Wetters jedoch auf die Nordinsel vertagen. Stattdessen ließen wir uns mit dem Postboot durch die Sounds schippern und konnten entspannt die Fjordlandschaft genießen. Einige Minuten lang begleitete sogar eine Gruppe von 5 kleinen Hector-Delfinen unser Boot!

 

Nach fast zwei Monaten fuhren wir Ende April mit der Fähre zurück auf die Nordinsel, um die restliche Zeit in Neuseeland hier zu verbringen. In Wellington blies der Wind über mehrere Tage so stark, dass wir beschlossen, das erste Stück aus der Stadt heraus mit dem Zug bis nach Palmerston North zu fahren. Hier hatten wir unsere erste Warmshowers-Erfahrung in Neuseeland und verbrachten einen netten Abend mit Andrew, Pamela und Graeme.

Auf dem Weg von „Palmy“ nach Whanganui wurden wir von einem Farmer auf der Straße spontan zu einem Kaffee bei ihm zuhause eingeladen. Bei Kaffee und Keksen lernten wir nebenbei einiges über den Flugtransport von Sportpferden, Krokodilen und anderen Tieren, Farmer ist er nämlich nur nebenbei. Durch die spontane Kaffeepause und nicht enden wollenden Gegenwind auf der ganzen Strecke wurde es bereits dunkel, als wir ca. 20 km vor Wanganui auf den Highway abbogen. Wieder einmal wurden wir von der Offenheit und Gastfreundschaft der Neuseeländer überrascht – kurz vor uns hielt ein Auto am Straßenrand, der Fahrer (selber auch Fahrradfahrer) bot uns an, seinen Fahrradträger in Whanganui zu holen, und uns wieder abzuholen, damit wir das letzte Stück Highway im Dunkeln und mit vielen Trucks nicht fahren mussten. Dankbar nahmen wir das Angebot an, die Strecke war tatsächlich nicht sehr einladend!

 

Auf dem Whanganui River konnten wir unsere schon seit Längerem geplante mehrtägige Kajaktour endlich angehen. Wir liehen uns ein Kanu und fuhren drei Tage lang über den Whanganui River entlang einer Strecke ohne Straßen: bei Problemen kann nur ein Jetboot helfen. Ein tolles Erlebnis, ordentliche Stromschnellen und eine Herausforderung für Muskelgruppen, die seit 9 Monaten nicht mehr so beansprucht wurden. Zwischendurch regnete es immer mal wieder, aber wir hatten noch Glück. Zwei Wochen vorher war der Wasserpegel über Nacht um 11 (!) Meter angestiegen und die Leute mussten auf den Campingplätzen ausharren, bis der Fluss wieder sicher befahrbar war.

 

Inzwischen hatten wir bereits festgestellt, dass die Nordinsel deutlich hügeliger ist als die Südinsel – die Straßen gehen einfach die ganze Zeit rauf und runter anstatt wie im Süden über Pässe zu führen. So sammelten wir noch einige Höhenmeter auf dem weiteren Weg.

In Taupo legten wir weitere Pausentage ein, gönnten unseren Muskeln etwas Erholung in natürlichen heißen Quellen und wanderten die Tongariro Alpine Crossing: Neuseelands beliebteste Tageswanderung. 21 Kilometer und etliche Höhenmeter durch eine aktive Vulkanlandschaft. Wir erwischten den Tag mit dem besten Wetter der gesamten Woche und genossen tolle Aussichten auf Vulkane, Lavagestein und bunte Vulkanseen. Da störten die anderen Wanderer auch nicht so sehr – während der Hochsaison im Sommer wohl inzwischen sehr überlaufen, war der Wanderweg jetzt in der Nebensaison zwar gut besucht, aber nicht zu rummelig. Nur die (geliehenen) Wanderstiefel waren suboptimal, unser Vorrat an Blasenpflastern war am Abend aufgebraucht.

 

Zwischendurch trafen wir in Auckland (wir mussten aufgrund Christinas USA-Visums-Interviews für 2 Tage dorthin fahren) wieder auf Resal, Martin und Noah, die am Ende ihrer Neuseeland-Reise waren. Während es für die drei weiter zu ihrem nächsten Ziel ging, fuhren wir wieder zurück nach Rotorua, um unsere Tour über die Nordinsel fortzusetzen. Aber wir bleiben ihnen auf den Fersen, in drei Wochen sehen wir uns wieder! Laura fand endlich einen top Fahrradmechaniker (der nebenbei tolle Mountainbikes designt und selbst fertigt), der sich mit Pinion auskennt. Er konnte die Schaltzüge ersetzen und das Tretlager neu justieren, sodass dieses Problem auch endlich gelöst war.

 

Die nächsten Tage genossen wir bei schönstem Sonnenschein die grüne (und bergige) Landschaft der Coromandel Peninsula. Wir hatten weitere sehr nette Begegnungen mit Warmshowers-Hosts, hilfsbereiten Busfahrern, die uns direkt zu sich nach Hause einluden, gruben unseren eigenen Hot Pool am Hot Water Beach und besuchten das Seafood Festival in Coromandel Town. In Tairua wurden wir von unserem WS-Gastgeber nach Auckland zu ihnen nach Hause eingeladen. Mit Lyn und Brian verbrachten wir mehrere gemütliche Abende bei spannenden Geschichten. Wer um die Welt gesegelt und mit Kamelen durch die Wüste gewandert ist, hat Einiges zu erzählen.

 

Aktuell sind wir im hohen Norden der Nordinsel unterwegs, heute waren wir am nördlichsten Punkt Neuseelands, Cape Reinga. Eigentlich hatten wir geplant, hier im Norden noch einige Tage Fahrrad zu fahren. Stattdessen passen wir jetzt auf einer Farm mitten im Nirgendwo für zwei Tage auf die Hausschweine des Besitzers auf, der nach Auckland muss. Wie das wieder kam, wissen wir selbst nicht so genau, aber wir lieben diese spontanen Planänderungen - und wer wollte nicht immer schonmal ein Hausschwein haben.

 

Nachdem auch Laura ihr Interview für das US-Visum erfolgreich absolviert hatte (2 Monate Wartezeit für 30 Sekunden Interview...), konnten wir unseren nächsten Flug buchen: am 18.05. geht es für uns und die Räder nach Los Angeles und von dort nach Norden Richtung Vancouver. Wir wollen einer schönen und sehr bergigen Route durch die Sierra Nevada folgen - und wenn wir der Pässe überdrüssig werden zur Küste abbiegen.  

 

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